Rezension

Autumn & Leaf – J. K. Bloom

Weltenvorstellung

Titel:
Autumn & Leaf 
Autorin:
J.K. Bloom 
Verlag:
Sternensand Verlag
Cover: 
Alexander Kopainski
Seiten:
448
Formate:
eBook, Taschenbuch
Erscheinung:
17. Januar 2020

Rezensionsexemplar

Klappentext

551 und 556. Das sind ihre Produktnummern, denn sie wurden von einer Maschine erschaffen und in einem Institut großgezogen, wo sie darauf warten, verkauft zu werden. Sie sehen aus wie Menschen, besitzen jedoch keinerlei Rechte, dürfen keine Gefühle haben und schon gar keinen Umgang miteinander pflegen. Doch Autumn und Leaf geben sich Namen, lieben sich in aller Heimlichkeit und planen, zu fliehen. Als Leaf ausgerechnet an einen grausamen Mann verkauft werden soll, muss alles schnell gehen und die Flucht steht kurz bevor. Doch da erfährt Leaf, dass sich Autumn allein davongestohlen hat, ohne sie mitzunehmen. Ihr bleibt nur, sich ihrem Schicksal zu ergeben, denn ohne ihn ist sie eben nur 556. Ein Produkt, dazu verdammt, für die perversen Fantasien ihres neuen Besitzers herzuhalten. Sie ahnt nicht, dass die wahre Grausamkeit ihr noch bevorsteht, denn Autumn hat das Institut nicht freiwillig verlassen …

Rezension

Spannend, emotionsgeladen, schockierend echt

„Was zur Hölle … ?!“
In diesem Tenor kreisten meine Gedanken um die neue Welt von J.K. Bloom, nachdem ich das letzte Wort von »Autumn & Leaf« gelesen habe. Denn was ich mit den beiden Protagonisten – zwei sogenannte Produkte, die erschaffen wurden, um den Menschen zu dienen – erlebt habe, ist in vielen Hinsichten die pure Hölle. Produkte bekommen in dieser Welt nur die Chance, ein freies Leben zu führen, wenn sie bis zum 18. Lebensjahr nicht gekauft werden. Bis dahin wohnen sie in einem Institut. Die Menschen sprechen ihnen jegliche Gefühlswahrnehmungen und -regungen ab – schließlich werden die Produkte künstlich in Laboratorien erschaffen. Wie könnten diese dann Emotionen entwickeln?! 

Mit diesem Grundbaustein hat J.K. Bloom eine Dystopie erschaffen, die nicht gnadenloser und schockierender hätte sein können. Im Gegensatz zum oben genannten Leitfaden lässt die Autorin Leaf und Autumn nämlich selbst zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen. Durch die Ich-Perspektive und den Sichtwechseln zwischen diesen zwei Produkten, die eigentlich gar keine Emotionen haben dürften, ist mir schnell klar geworden, wie echt die beiden sind. Selten existiert die Liebe von zwei Hauptcharakteren bereits von Beginn an, doch hier erlebte ich Gefühle, die so stark sind, dass sie mich als Leserin sofort gepackt haben. Bereits mit den ersten Sätzen des Buches stand fest, dass Produkte menschlicher sind, als so manche „richtige“ Menschen. 
Was danach passiert, ist vor allem für Leaf ein tiefer Fall in menschliche, abscheuliche Abgründe. Auch jetzt kann ich kaum in Worte fassen, welche Emotionen bei mir hochkamen. Tatsächlich war ich die meiste Zeit schockiert. Tränen flossen in Strömen. Doch das Buch zur Seite legen? Ging gar nicht! J.K. Bloom fesselt mit ihrer düsteren Dystopie wie keine zweite. Mir wurde mehrmals das Herz herausgerissen, nur um es dann grob geflickt wieder einzusetzen; und das nicht nur einmal. 

Ein Worldbuilding zum Niederknien

Das Worlbuilding von „Autumn & Leaf“ ist unheimlich gut durchdacht. Ich hatte beim Lesen durchweg den Eindruck, dass diese Welt wirklich real sein könnte – in einer Zukunft, die von machthungrigen und profitgierigen Menschen zu dem gemacht wurde, was sie ist: technologisch fortgeschritten, egoistisch und düster. Letzteres jedoch eher für die Produkte, die keinerlei Freiheit besitzen, bis sie 18 sind – sollten sie nicht gekauft werden. 

In dieser Welt gibt es aber natürlich auch das Gegenteil: Menschen, die sich für die Humanoiden einsetzen. Produkte, die rebellieren. Ein ganzes System der Rebellion, das ich erst mit fortschreitender Story so richtig begreifen konnte. Wie Autumn und Leaf war ich als Leserin zunächst sehr unwissend, was die Welt da draußen angeht. Schließlich kennt man als Produkt bis zum Verkauf nur das Institut. Neuigkeiten von Außen erhalten sie nicht. Doch was hinter den hohen Mauern und Zäunen der Anlage ist, erfahren Autumn und Leaf beide – jeder auf seine Weise. In dieser Welt gab es für mich so unglaublich viel zu entdecken, jedoch kann ich dies gar nicht in Worte fassen, ohne zu viel zu verraten. Fakt für mich ist jedoch: das Worldbuilding ist zum Niederknien und so geschickt mit der Handlung verknüpft, dass ich nie das Gefühl hatte, dass die Autorin versucht, alles auf einmal erklären zu wollen. Das muss sie auch gar nicht, denn die Story deckt die ganzen Ausmaße auf. Dies finde ich im Übrigen besser, als wenn mir in einem stundenlangen Monolog erzählt wird, wie das vorherrschende System und der Aufbau der Welt aussieht.

Oh. Es gibt aber eine Abkürzung und einen Smiley, die das Ganze echt gut zusammenfassen: OMG 😱!

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Der Stil rundet alles perfekt ab 

Mit dem Schreibstil steht und fällt ja bekanntlich ein ganzes Buch. J.K. Bloom hat mir mit »Autumn & Leaf« gezeigt, dass sie es drauf hat, mit den Gefühlen des Lesers zu spielen, Kapitelenden zum richtigen, cliffhangermäßigen Zeitpunkt zu setzen und gleichzeitig sowohl bildgewaltig/ausdrucksstark, als auch leicht lesbar zu schreiben – all dies war für mich die beste Kombination, die ich hier kriegen konnte, denn ich bin trotz der teils schweren bzw. erschütternden Situationen nur so durch die Seiten geflogen. 
Ausdrucksstark und bildgewaltig sind übrigens die zwei Eigenschaften des vorherrschenden Stils, die ich besonders hervorheben möchte. Es gab bisher selten ein Buch, bei dem ich derart Rotz und Wasser geheult, mitgelitten und auch gehofft habe. Ehrlich.

Mein Mund stand übrigens irgendwann dauer-offen. So oft, wie mir die Kinnlade aus Schock, Unglaube oder auch Entzücken (ja, Entzücken! Wunderbar positive Gefühle gab es hier ebenfalls!) heruntergefallen ist, blieb sie dann einfach irgendwann runtergeklappt. Reine Vorsichtsmaßnahme. Man weiß ja nie. 

Fazit

»Autumn & Leaf« ist eine Dystopie zum Anbeten. Emotionsgeladen, bildgewaltig und unfassbar realitätsnah erzählt sie die Geschichte zweier Produkte, die in einer Welt überleben müssen, die für solche wie sie die wahre Hölle ist. J.K. Bloom spricht tiefste, menschliche Abgründe an und zeigt auf diese Weise gesellschaftskritisch, wohin uns die egoistische und machthungrige Natur des Menschen führen kann. 
Diese Geschichte hat mich tief berührt, erschüttert und aufgerüttelt. Sie ist genial, einmalig und unfassbar facettenreich.

Ich kann »Autumn & Leaf« wirklich jedem ans Herz legen. Egal ob du bereits Dystopien gelesen hast, oder nicht. Diese wird dich mit Sicherheit überraschen! 

Plüm vergibt für diese Welt folgende Sternenanzahl:
5/5

Das Gewinnspiel zur Releaseparty
vom Sternensand Verlag

Auch hier kannst du ein Los für das Gewinnspiel der Releaseparty auf Facebook sammeln. Beantworte mir einfach folgende Frage: 

Du merkst, dass ich gut durchdachte Worldbuildings liebe.

Welche Erwartungen hast du an das Worldbuilding bei »Autumn & Leaf«?

Das kannst du gewinnen: 

    1. Platz: »Autumn & Leaf« als Print + Goodiepaket 
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Du kannst jeweils ein Los sammeln, indem du entweder hier drunter ODER in der fb-Veranstaltung unter dem entsprechenden Rezensionsbeitrag kommentierst und die Frage beantwortest. Du kannst bei dieser Frage nur ein Los sammeln, d.h. du brauchst nur hier ODER auf fb die Frage beantworten. 
Halte auch unbedingt die Augen bei den anderen Beiträgen offen, denn auch dort kannst du weitere Lose sammeln. 

Viel Glück!

7 Comments

  • Christina P.

    Hallo,
    ich liebe Romane, in denen Zukunftstechnologien überspitzt dargestellt und dadurch nicht nur ihre Vorteile, sondern vor allem auch ihre Gefahren dargestellt werden. Diese können ethischer wie medizinischer Natur sein. Als Klassiker hab ich da immer „Brave New World“ vor Augen. Hier hoffe ich, dass der Roman einem Vergleich standhalten kann, sowohl in zukunftstechnologischer wie auch in gesellschaftskritischer Hinsicht. Ich erwarte Aha-Momente, wenn die Welt sich langsam immer mehr offenbart, ebenso wie Charaktere, die das System bereits hinterfragt haben und gegen diejenigen Kämpfen, sie sich auf Kosten anderer ein schönes Leben machen. Denn der Preis ist definitiv zu hoch, um ihn wirklich bezahlen zu können.
    LG Christina P (Facebook: La Tina)

    • Ponte

      Hallo,

      das ist eine verflucht gute Rzension – hat mir einen richtig guten Eindruck über das Buch vemrittelt.

      Erwarten ist etwas viel gesgat eher hoffe ich auf ein recht düsteres Szenario, dass auch die Schattenseiten einer solchen zukünftigen, technischen Welt aufzeigt. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf das Buch

  • J. K. BLOOM

    Omg 😍😍😍😍
    Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich hatte eine so derbe Gänsehaut bei deiner Rezension ❤️❤️ ich bin wirklich fassungslos und fühle mich unglaublich geehrt 💕💕
    Taueend Dank für diese Worte 💖 sie haben mich zu Tränen gerührt 😍🌸

  • Melanie kurt

    Hallo!
    Vielen Dank für deinen tollen Beitrag! ….spätestens jetzt habe ich eine relativ hohe Erwartungen an das worldbuilding bzw eigentlich an das ganze Buch *lach* aber ich denke, da werde ich nicht enttäuscht!
    Es hört sich wirklich unglaublich toll an !
    Lieben Gruss Melanie kurt

  • Stephanie

    Hey,
    sehr toller Beitrag! Ich habe sehr hohe Ansprüche an dss Worldbuilding, denn das ist das, was das Lesen für mich ausmacht: In fremde Welten hineinversetzt zu werden! Diesem Buch scheint es perfekt gelungen zu sein, ich bin gespannt!
    Viele Grüße
    Stephanie

  • Franci Becker

    Vielen Dank für Deine wunderbare Rezension, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.

    Nachdem ich „Wächter der Runen“ gelesen habe, habe ich bei ihrer neuen Dystopie mit einer ebenso gut durchdachten, detaillierten Welt gerechnet, in die der Leser dank dem bildlichen, gefühlvollen Schreibstil eintauchen kann. Nach Deinem Fazit erwarte ich nun auch genau das : eine Welt die ich mir wieder vor Augen führen, regelrecht greifen kann. Gespannt bin ich jedoch vorallem darauf, ob sie es in dieser, zu „Wächter der Runen“, gegensätzlichen Atmosphäre, da diese ja naturverbunden, frei war, ebenso schafft, den Leser hinein zu bringen. Ich stelle es mir etwas schwieriger vor eine zukünftige, technische Welt auf eine gewisse Art authentisch entstehen zu lassen.
    Nach Deiner Rezension bin ich zwar sicher, dass dies gelungen ist – aber ich möchte & werde mich davon definitiv selbst überzeugen. ♥️

  • Areti

    Hallöchen,

    Puh, was für Erwartungen habe ich an das worldbuilding?
    Ich erwarte, dass alles gut durchdacht ist und ich mich mitten hineinversetzt fühle.
    Da ich Wächter der Runen 1 +2 schon gelesen habe, bin ich mir sicher, dass J. K. Bloom es auch hier wieder schaffen wird, dass ich alles ganz genau vor Augen habe und mich an diesen Ort versetzt fühle.

    Liebe Grüße,
    Katha Areti <3

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