Rezension

Die Drachenhexe – J. K. Bloom

Weltenvorstellung

Titel:
Die Drachenhexe 
Autorin:
J. K. Bloom
Verlag:
Sternensand Verlag
Cover: 
Jacqueline Kropmanns Design
Seiten:
439
Formate:
eBook, Taschenbuch
Erscheinung:
11. Oktober 2019

Rezensionsexemplar

Klappentext

Einst belegte eine mächtige Hexe Prinzessin Freyja mit einem Fluch. Dieser war so abscheulich, dass sie zu einem wahren Monster ohne Gewissen heranwuchs, während dämonische Kräfte in ihr erwachten. Sie stürzte ihre Eltern vom Thron und ummantelte ihr Königreich mit ewiger Dunkelheit, in die kein Außenstehender mehr einen Fuß zu setzen wagte.
Erst als mit Lucien ein Engel geboren wird, schöpfen die fünf Lande wieder Hoffnung. Denn seine Aufgabe soll es sein, die dunkle Königin nach einem Jahrhundert ihrer Herrschaft zu vernichten und dem Verderben ein Ende zu setzen.
Doch als Licht und Schatten aufeinandertreffen, merkt Lucien, dass da noch ein Funken der guten Prinzessin in Freyja verborgen zu sein scheint – und begeht einen verhängnisvollen Fehler: Er zögert.

 

Rezension

Düster, düsterer, Plottwists

Ich liebe Geschichten mit Flüchen. Geschichten, die düster sind, die dich die ganze Zeit bangen lassen, ob überhaupt das Gute eine Chance hat. „Die Drachenhexe“ ist so eine Story. 

Es war ungemein herrlich, mal eine Art Antagonistin als Protagonistin zu haben. Freyja ist eine dunkle Hexe durch und durch. Geprägt von dem Fluch, der auf ihr lastet, verbreitete sie in ihrem langen Leben nichts anderes als Schrecken und Tod. Jeder fürchtete sich vor ihr. Alles könnte für sie so wunderbar grauenhaft laufen, wäre da nicht der Engel Lucien, der ihre Pläne gehörig durcheinander wirft. 

Ist es eigentlich nicht unglaublich, wie man als Leser mitfiebern kann? Tatsächlich konnte ich hier nämlich richtig schön mitleiden, mitkämpfen, lachen, vor Wut die Hände ballen und fassungslos den Kopf schütteln. Achja. Meine Kinnlade wurde übrigens überbeansprucht. Denn was mir hier an Plottwists geboten wurden – nein, den Verlauf hätte ich nie erahnen können. Natürlich jedes Mal nochmal böser. Richtig gut! 

Licht und Schatten – wenn Gegensätze Gemeinsamkeiten haben

Als Freyja und der Engel Lucien aufeinandertreffen, flogen natürlich erst einmal die Fetzen. Wer denkt, dass ich jetzt das Ende spoilere, liegt falsch, denn an diesem Punkt ist noch nicht einmal ansatzweise die Hälfte des ersten Teils vorbei. Was danach kommt? Alles, was ich mir nicht geträumt hätte. „Die Drachenhexe“ besitzt auf ihren knapp 400 Seiten weit mehr Inhalt, als sich zunächst auch nur erahnen lässt. Nichts ist vorhersehbar, selbst der Engel und die Drachenhexe bekommen das große Ganze einfach nicht zu fassen. Immer wieder stehen neue Herausforderungen an, die vor allem Freyja zunächst an ihre Grenzen bringen. 
Es ist wunderbar, wie ihre Ecken und Kanten immer wieder zum Vorschein kommen, ihre Kratzbürstigkeit macht einer Hexe alle Ehre. Genau das finde ich aber so genial. Denn sie ist genau so, wie ich mir eine Antagonistin in der Hauptrolle vorstellen würde: Gedanken düster, voller Sarkasmus und Grauen! Auch Lucien wurde von der Autorin super ausgearbeitet, er war zum Greifen nah. Ganz der Engel, freundlich, aber dennoch der Krieger, zu dem er Dank Freyja ausgebildet wurde. 
Im Laufe der Geschichte lernte ich die beiden immer mehr kennen und bemerkte natürlich auch, dass beide trotz ihrer gegensätzlichen Art so einiges  gemein haben. Die größte Gemeinsamkeit kann ich euch verraten: beide wissen nicht, wie weitreichend die gesamte Situation ist und welche noch dunkleren Machenschaften als die von Freyja im Gange sind. Glaubt mir, wenn ich sage: ihr werdet es nicht kommen sehen! 

J. K. Bloom ist es in meinen Augen wirklich gut gelungen, beide Hauptcharaktere – nicht zuletzt wegen den immer wieder wechselnden Sichtweisen zwischen den beiden – greifbar zu machen, mit Ecken und Kanten. Sie konnte ihren Figuren so viel Leben einhauchen, dass sie mir völlig authentisch vorkamen. Selbst die vielen Nebencharaktere, die man als Leser ständig kennenlernte, blieben nicht blass. 

Eine Welt bereit für die eigene Fantasie

Der Weltenaufbau, mit seinen Königreichen und verschiedenen Handlungsorten, ist insgesamt ziemlich komplex. Immer wieder musste ich mich als Leser mit auf die Reise begeben und neue Schauplätze kennenlernen. Rast war kaum. Doch anstatt entsprechend Ewigkeiten neu zu erklären, wie ein Ort aussieht, hat es J. K. Bloom irgendwie geschafft, in ihrer bildgewaltigen Schreibweise die gewonnenen Eindrücke  der zwei Protas subtil einfließen zu lassen. Es wurde nicht ewig darüber monologisiert, wo etwas steht, welche Farbe welche Gegenstände haben oder dergleichen. Passend zur schnellebigen Art des Plots wurde nur so viel zur Umgebung beschrieben, wie es eben nötig ist, um einen gewissen Rahmen zu erstellen – und dennoch war genug Raum für die eigene Fantasie. Für „Die Drachenhexe“ ist dieser Stil goldrichtig gewählt worden – außerdem bin ich sowieso ein Fan davon, wenn ich mir selbst größtenteils vorstellen darf, wie ein Ort aussieht. 

Fazit

J. K. Bloom überzeugte mich mit „Die Drachenhexe“ durch und durch. Herrlich düster, erzählte sie die Geschichte – zum Teil – aus der Sicht einer bösen, skrupellosen Frau, die durch ihren Fluch die Dunkelheit zu ihrer Bestimmung gemacht hat. Endlich ist eine Bad-Ass Protagonistin wirklich eine durchtriebene Bad-Ass Protagonistin. Doch wer erwartet, dass in dieser Geschichte alles schwarz und weiß ist, der täuscht. Denn dieser Plot ist definitiv nicht vorherzusehen! 


Nach diesem Auftakt will ich natürlich wissen, wie es weitergeht – SOFORT BITTE! 

Plüm vergibt für diese Welt folgende Sternenanzahl:
5/5

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