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Entdecke die Welt von »Autumn & Leaf«!

Nimm eine bequeme Position ein, lass deine aktuellen Gedanken entfliehen, schließe deine Augen und wenn du bereit bist, …

… öffne sie wieder. 

Du stehst inmitten einer großen Anlage. Hier gibt es einen großen Park, auf dessen Wiese gerade Kinder spielen. Du weißt, dass hier im sogenannten Institut – umzäunt von einer großen Mauer – nur Kinder und Jugendliche leben. 
Doch etwas ist anders mit euch. Denn euer Name ist lediglich eine Aneinanderreihung von Zahlen, eine Produktnummer, die sie euch gegeben haben, um euch auseinander zu halten. Sie sind die Wissenschaftler und Angestellten des Instituts. Menschen, die dir jegliche Gefühle absprechen. Du kannst nämlich keine Gefühle haben. Du solltest keine Gefühle besitzen. Sie denken, weil du in einem Labor gezüchtet und modifiziert wurdest, um das bestmögliche Ergebnis an Schönheit und Widerstandsfähigkeit des Körpers zu erzielen, könntest du nicht verstehen, was Emotionen sind. Du bist ein Produkt und keineswegs menschlich, reden sie dir bereits dein ganzes Leben ein. Um dies zu verdeutlichen, tragt ihr alle die gleichen Institutskleidung: das gleiche weiße Oberteil, die gleiche weiße Hose, die gleichen Schuhe. Hier ist niemand individuell.

Du erinnerst dich gerne zurück, weil du als Kind draußen im Park spielen durftest und noch gar nicht die ganze Tragweite dessen, was deine Produktnummer tatsächlich bedeutet, erfassen konntest. 
Doch als du 12 wirst, merkst du das erste Mal richtig, dass dir das Leben nicht geschenkt wurde, um ein eigenständiges Dasein zu führen. Du wurdest erschaffen, um den Menschen zu dienen. In jeglicher Hinsicht. Denn mit 12 wirst du einem Resistenztest bestehen müssen, „um die Qualität der Ware zu gewährleisten“. Zudem wird dir deine Nummer auf das Schulterblatt tätowiert. Spätestens jetzt wird dir klar, dass es keinen Ausweg gibt. Das einzige, was du tun kannst, ist zu warten. Und zu hoffen. Zu hoffen, dass du nicht an Menschen verkauft wirst, die ihre Produkte bis zum Tod quälen. Denn immer wieder hörst du von Käufern, die so brutal sind, dass ihre Produkte nicht lange am Leben bleiben. Du weißt, dass dir keine Wahl bleibt. Bei jeder Auswertung, bei der ein Mensch die Möglichkeit hat, vorher ausgewählte Produkte noch einmal zu begutachten und zu kaufen, versuchst du, so unauffällig wie möglich zu bleiben. Wenn du den Menschen nicht ansiehst – so deine Hoffnung – kommst du eventuell erneut davon. Oder vielleicht hast du ja auch Glück und gerätst an Menschen, die gut zu ihrer Ware sind. Die dir Freiheiten geben. Doch das ist vermutlich eher die Ausnahme. Da draußen, außerhalb der Mauern, liegt irgendwo eine Stadt, wo die Leute leben, wohnen und arbeiten. Doch gekauft und dorthin gebracht zu werden, bedeutet gleichzeitig, den Menschen voll ausgeliefert zu sein. Als Produkt hast du keine Rechte, es gibt keine Gesetze, die dich dort draußen schützen. Viel mehr von der Außenwelt weißt du aber auch nicht. Das Institut schottet euch komplett ab und gibt euch nur die Infos, die für euch relevant sind. 
Während Menschen ihre Freiheit besitzen, wirst du dein ganzes Leben lang zum perfekten Produkt erzogen: gehorsam, widerstandsfähig und emotionslos. Du weißt, wie du dich den Menschen gegenüber verhalten sollst, denn niemand möchte ein defektes Produkt. Ein defektes Produkt bedeutet sofortige Eliminierung. 

Doch wäre es nicht sogar besser, zu sterben, als dich den Menschen auszuliefern? Ein Leben in der wahrhaftigen Hölle zu führen?
Du zuckst bei den Gedanken zusammen. Es sind verbotene Gedanken. Warum hast du sie? Ist es nicht egal, ob du verkauft, versklavt, misshandelt, verprügelt, geliebt oder doch eliminiert wirst? Zumindest der Teil des menschlichen Erbguts, den du in dir trägst, scheint einen starken Überlebenswillen zu haben. Vermutlich genau das, was die Wissenschaftler erreichen wollten. Dadurch erhöht sich mit Sicherheit die Chance, dass Produkte mehr aushalten können. 

Aber … ist das wirklich alles? Ist da nicht doch noch mehr in dir? So oder so, die Anzahl möglicher Auswege hier raus kannst du an einer Hand abzählen. 
Was sollst du tun? Das emotionslose Produkt mimen, das du sein sollst oder willst du der Tropfen auf dem heißen Stein sein und dich deinen rebellischen Gedanken hingeben?
Du fragst dich immer wieder, ob du eigentlich alleine bist. Natürlich bist du bisher immer irgendwie alleine gewesen.
Aber bist du wirklich die einzige, die meint, menschlicher zu sein, als die Welt es dir zugesteht?

Zitat

Weltenvorstellung

Titel:
Autumn & Leaf 
Autorin:
J. K. Bloom 
Verlag:
Sternensand Verlag
Cover: 
Alexander Kopainski
Seiten:
448
Formate:
eBook, Taschenbuch
Erscheinung:
17. Januar 2020

Klappentext

551 und 556. Das sind ihre Produktnummern, denn sie wurden von einer Maschine erschaffen und in einem Institut großgezogen, wo sie darauf warten, verkauft zu werden. Sie sehen aus wie Menschen, besitzen jedoch keinerlei Rechte, dürfen keine Gefühle haben und schon gar keinen Umgang miteinander pflegen. Doch Autumn und Leaf geben sich Namen, lieben sich in aller Heimlichkeit und planen, zu fliehen. Als Leaf ausgerechnet an einen grausamen Mann verkauft werden soll, muss alles schnell gehen und die Flucht steht kurz bevor. Doch da erfährt Leaf, dass sich Autumn allein davongestohlen hat, ohne sie mitzunehmen. Ihr bleibt nur, sich ihrem Schicksal zu ergeben, denn ohne ihn ist sie eben nur 556. Ein Produkt, dazu verdammt, für die perversen Fantasien ihres neuen Besitzers herzuhalten. Sie ahnt nicht, dass die wahre Grausamkeit ihr noch bevorsteht, denn Autumn hat das Institut nicht freiwillig verlassen …

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