Rezension

„Zum schwarzen Mond“ von Nicole Schuhmacher

Weltenvorstellung

Titel:
Zum schwarzen Mond
Autorin:
Nicole Schuhmacher
Verlag:
Sternensand Verlag
Cover: 
Jasmin Romana Welsch
Seiten:
360
Formate:
eBook, Taschenbuch
Erscheinung:
22.05.2020 (eBook)
12.06.2020 (Print)

Rezensionsexemplar

Klappentext

Für Mädchen wie mich gab es im Laufe der Geschichte viele Bezeichnungen. Einige sind schmeichelnd, andere derb und herablassend. Man nennt uns Dirne, Liebesdame, Freudenmädchen, Hure … Doch egal, welche Namen man uns gibt, im ältesten Gewerbe der Welt zu arbeiten, bedeutet nichts Geringeres, als seinen Körper an jeden zu verkaufen, der bereit ist, einen angemessenen Preis zu zahlen.
Das Wiener Etablissement ‚Zum schwarzen Mond‘, in dem ich meine Dienste anbiete, ist auf die Bedürfnisse der vampirischen Schicht der Bevölkerung spezialisiert. Das Geschäft der käuflichen Liebe boomt auch unter Blutsaugern. Ich war immer der Annahme, dass meine Anstellung in dieser Branche durch nichts gefährdet sein könnte. Doch ich werde eines Besseren belehrt, als ein Freier meinen Weg kreuzt, der komplett anders ist als alle bisherigen. Schließlich trägt auch die schicksalhafte Begegnung mit einem Vampirgrafen maßgeblich dazu bei, dass mein Leben komplett über den Haufen geworfen wird. Obwohl wir aus unterschiedlichen Welten stammen und uns nicht einmal sonderlich gut leiden können, erkenne ich schnell, dass sogar ein versnobter Aristokrat ein gutes Herz haben kann, selbst wenn dieses schon seit Jahrhunderten nicht mehr schlägt …

Rezension

Wo fange ich bei einer Rezension an, die darauf hinausläuft, dass ich äußerst zwiegespalten bin? Bei der mein Bauchgefühl sagt, dass es leider nicht für mehr als drei Sterne reicht? 

Vielleicht starte ich mal mit dem Positiven – den Schreibstil von Nicole Schuhmacher. Er war frisch, locker und leicht – eine Kombination, die mich trotz aller Kritik immer wieder abholen konnte und es möglich machte, dass die Seiten schnell verflogen. 

Er war so gut, sodass er tatsächlich einiges rausholen konnte. Denn wäre der nicht gewesen, hätte ich die Geschichte vermutlich abgebrochen. Wobei. Diese klitzekleinen Hoffnungsschimmer zwischendurch, also dass der Plot besser wird, hielten mich ebenfalls bei der Stange.
Da wären wir aber auch schon bei meinem größten Kritikpunkt: der Handlung. 

Doch eins nach dem anderen…

Als Reziexemplar vom Sternensand Verlag trudelte es bei mir im Weltenarchiv ein. Bei der Abfrage, wer es denn wohl lesen möchte, war ich mir bereits ziemlich uneins: das Cover sagte mir nicht zu – ich bin da recht oberflächlich 😀 – und der Klappentext war für mich persönlich auch nicht das Gelbe vom Ei. Warum ich es dann dennoch lesen wollte? Vermutlich aus Interesse, wie Vampire, ein Bordell und Humor zusammenpassen. So startete ich also in diese Welt, ohne jegliche Erwartungen.
Der Beginn war auch echt gut! Der Schreibstil laß sich, wie oben beschrieben, echt super und der Humor holte mich direkt ab. Außerdem gab es keine Vampire, die glitzern, sondern welche, die stets heiß daher kommen. Das, gepaart mit dem Bordell „Zum schwarzen Mond“, in dem Lisa arbeitet, ergab eine erfrischende Mischung. Es machte Spaß, der Geschichte zu folgen und meine Erwartungen stiegen somit. Ich hoffte also spätestens dann auf eine mitreißende Story voller Humor, etwas Romance trotz des Settings, coole Charaktere und einen tollen Plot.
Was ich bekam?
Humor? – Ja.
Romance? – Ja. Irgendwie zumindest. Coole Charaktere? – Woher soll ich das wissen? Blieben leider zu blass. 
Toller Plot? – Für mich leider so gar nicht. 

Der Plot war wohl mein Hauptproblem…

Ich laß also weiter und weiter und weiter – bis ich mich fragte, was ich da gerade lese. Ob ich irgendwelche atemberaubenden Zusammenhänge übersehen hätte. Ob ich den roten Faden überlesen habe. An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr ins Detail gehen, da ich sonst spoilern müsste. Für mich war es insgesamt leider nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die irgendwie dafür sorgen sollten, den Spannungsbogen möglichst konstant oben zu behalten. Klar, er war oben, keine Frage. Doch zu welchem Zweck? Da habe ich leider keine Ahnung. Für mich muss eine gute Handlung am Ende ein großes Ganzes ergeben – doch hier hatte ich das Gefühl, dass tausend Dinge gleichzeitig und unabhängig voneinander geschahen, ohne, dass sie insgesamt irgendeinen Sinn ergeben würden. Den Sinn mancher Situationen, darin erfolgten Gesprächen sowie daraus resultierende Entscheidungen, begriff ich ebenso wenig. Da kommt mir besonders eine Situation in den Sinn, die sich mit einem Satz auflösen ließ – DAS würde in dieser Situation im echten Leben NIEMALS so funktionieren. Das fand ich dann leider zu unglaubwürdig – selbst für eine Fantasygeschichte. Denn diese Situation hatte nichts mit Fantasy zu tun, sondern den mit innerlichen Konflikten – aber halt. Ich sag lieber nichts mehr, sonst spoilere ich doch noch. 


Die Charaktere und der Romance-Anteil machten den Plot leider nicht besser… 

Im Gegenteil. Nicht nur am Ende der Story fragte ich mich mehrmals, was ein männlicher Prota (kann ich ihn eigentlich so nennen?!) überhaupt in dieser Geschichte zu suchen hatte. Er war da, er kam und ging mal wieder (was insgesamt selten vorkam), erwärmte vielleicht manchmal auch mein Leserherz – doch dann zischte er genauso schnell wieder ab. Als wäre er nie da gewesen. Und damit meine ich, dass Lisa bis zu dessen erneutem Auftauchen eigentlich gar nicht mehr an ihn dachte. Sobald er dann da war, wurde er urplötzlich wieder zum Mittelpunkt von Lisas Welt. Ähhhhm, jaaaa. Nein. So geht das in meinen Augen nicht. 

Sobald er aber nicht da ist, ist es ein anderer, der ihre Welt auf den Kopf stellt. Warum, wieso, weshalb, blieb mir leider irgendwie unklar. Sie sollte lieber dem anderen hinterherschmachten! Der war wenigstens irgendwie interessant und anders.
Schlussendlich hatte ich bei diesem Thema eher das Gefühl, dass unbedingt eine Dreiecksgeschichte mit „Good-„ und „Bad-Boy“ mit hinein musste. Die mir aber keineswegs glaubwürdig vorkam. Den Ersterwähnten hätte man gar nicht auftauchen lassen müssen, fand ich. Die Story wäre die gleiche, wie jetzt auch… Für mich zumindest 😀
Aufgrund dessen und weil ich leider nicht sonderlich nachvollziehen konnte, wie sich Lisa in manchen Situationen fühlt und ich auch keine wirkliche „Entwicklung“ erkennen konnte – zumindest keine, die ich nachvollziehbar fand – blieben mir die Charaktere zu blass und ich ärgerte mich regelrecht über den Fortgang. Dies galt auch für die Nebencharaktere – auch wenn manche Figuren süß und auch etwas Frische mitbrachten, blieben sie dennoch zu unantastbar für mich, als dass ich mich in sie hätte „verlieben“ können. 

Fazit

Mein Gehirn spielt immer dann ein bestimmtes Sinnbild ab, sobald ich an dieses Buch denke: Es war für mich wie ein Unfall, an dem ich vorbeifahre – der Plot mit der Entwicklung sowie den Charakteren war – auf das Szenario übertragen – der Unfall (sorry, wenn es hart klingt!), an dem ich vorbeifahre. Doch wegen des Schreibstils musste ich dennoch immer wieder hinschauen, obwohl ich es nicht unbedingt will. Letzterer hat also unfassbar viel ausgebügelt. 

Normalerweise wäre ich mit meinem Bauchgefühl – vor allem nachdem ich dies hier aufgeschrieben habe, nur bei 2 – 2,5 Sternen. Da ich allerdings großen Respekt vor jedem habe, der ein Buch schreibt und dabei so einen gut lesbaren und, trotz allem, so einen fesselnden Stil mitbringen kann, gebe ich „Zum schwarzen Mond“ von Nicole Schuhmacher insgesamt 3 Sterne. Denn auch wenn ich oft die Augen verdreht oder mit dem Kopf geschüttelt habe, hat das Lesen  ja dennoch iiiiirgendwie Spaß gemacht.  

Plüm vergibt für diese Welt folgende Sternenanzahl:
3/5

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